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Sportentwicklung

Sportentwicklungsbericht 2007/2008 - „Sportvereine - eine wichtige gesellschaftliche Kraft vor neuen
Herausforderungen"


1. Hintergrund

Im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Landessportbünde erstellt der Kölner Sportwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule, Institut für Sportökonomie und Sportmanagement den so genannten Sportentwicklungsbericht“, der die Situation der Sportvereine in Deutschland analysiert.
Der Sportentwicklungsbericht versteht sich als ein wissensbasiertes Steuerungsinstrument für die Sportentwicklung auf der Basis regelmäßiger Vereinsbefragungen und -analysen. Nach dem ersten Bericht 2005/2006 wird nun im Juni 2009 der über 600 Seiten starke zweite Bericht 2007/2008 vorgelegt, der auf der Basis von über 13.000 Interviews beruht (ggü. dem ersten Bericht konnte der Stichprobenumfang verdreifacht werden). Die nachfolgenden Zahlen und Daten sind auf Basis dieser Stichprobe hochgerechnet. Die Veröffentlichung des dritten Berichts ist für Frühjahr 2011 vorgesehen.

2. Die Sportvereine sind eine wichtige gesellschaftliche Kraft

Der Sportentwicklungsbericht 2007/2008 macht erneut deutlich, dass die Sportvereine in Deutschland unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes eine herausragende gesellschaftspolitische Kraft sind:

Integration: In den Sportvereinen in Deutschland sind 2,8 Mio. Migrantinnen und Migranten organisiert. Dies entspricht einem Anteil von 10,1 % an allen Mitgliedern. 13,5 % aller Sportvereine in Deutschland haben ehrenamtlich Engagierte mit Migrationshintergrund. Ein beachtlicher Teil der Sportvereine will die Integration von Migrantinnen und Migranten zusätzlich aktiv unterstützen. 8,4 % der Sportvereine in Deutschland haben Sondermaßnahmen zur Integration von Migrantinnen und Migranten ergriffen. Die Stützpunktvereine des Programms „Integration durch Sport“ können hierfür eine wichtige Orientierungshilfe bieten.

Gesundheitsversorgung: 30 % der Sportvereine in Deutschland (gut 27.000) bieten Programme mit expliziten Zielsetzungen der Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation an und leisten somit einen essentiellen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.

Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement:
Der Vereinssport stellt nach wie vor den quantitativ bedeutsamsten Träger bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland dar. Insgesamt engagieren sich die Sportvereinsmitglieder in etwa 2,1 Mio. ehrenamtlichen Positionen der Sportvereine. Zusätzlich sind 6,6 Mio. Menschen als freiwillige Helferinnen und Helfer unentgeltlich aktiv (z.B. bei Arbeitseinsätzen im Rahmen von Sportveranstaltungen). Fasst man diese zusammen, sind demnach 8,7 Mio. Personen ehrenamtlich engagiert. Bei dieser Gesamtzahl ist zu beachten, dass Personen in formalen
ehrenamtlichen Positionen zum Teil auch zusätzlich sporadische Aufgaben im Verein übernehmen.

Wertschöpfung: Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 17,6 Stunden pro Monat ehrenamtlich aktiv. Dies entspricht einer monatlichen Arbeitsleistung von 36,6 Mio. Stunden und einer monatlichen Wertschöpfung von € 550 Mio. (jährliche Wertschöpfung: € 6,6 Mrd.).

Wirtschaftsfaktor Sportverein:
Die steuerlichen Rückflüsse der Sportvereine in Deutschland betragen jährlich etwa € 820 Mio. Damit übersteigen sie die direkten öffentlichen Zuwendungen (inkl. Zuwendungen über Sportbünde und Fachverbände) um über € 300 Mio. Sportvereine erzeugen zudem wirtschaftliche Multiplikatoreffekte. So investierten allein im Jahr 2006 5,5 % der Sportvereine (absolut: 5.000 Vereine) jeweils mehr als € 10.000,- in eigene Baumaßnahmen. Im Durchschnitt investierten diese Vereine einen Betrag von gut € 80.000,-. Setzt man diese Werte in Beziehung zu den Zuschüssen zum vereinseigenen Sportanlagenbau, so muss festgehalten werden, dass Anschub- bzw. Anreizprogramme zum vereinseigenen Sportanlagenbau einen volkswirtschaftlichen Mehrwert generieren.

Kooperationen: Knapp 70 % der Sportvereine gehen Kooperationen unterschiedlichster Art mit Schulen ein, wobei knapp 21 % bei der Angebotserstellung zusammenarbeiten. Gut 46 % der Vereine kooperieren mit Kindergärten/Kindertagesstätten, wobei gut 8 % gemeinsame Angebote mit ihnen erstellen. Knapp 42 % der Sportvereine gehen Kooperationen unterschiedlichster Art mit Krankenkassen ein, wobei knapp 8 % bei der Angebotserstellung zusammenarbeiten.

Arbeitsmarkt Sport:
Die Anzahl an Vereinen, die bezahlte Führungskräfte beschäftigen, ist signifikant um das Eineinhalbfache gestiegen. Auch bilden die Sportvereine in Deutschland signifikant mehr aus als noch vor zwei Jahren.

Sportanlagen: Mit 11.800 eigenen Turn- und Sporthallen sowie 23.500 eigenen Sportplätzen entlasten sie überdies in signifikant wachsendem Ausmaß Kommunen und Länder hinsichtlich Unterhaltung und Betrieb von Sportanlagen.

Repräsentation Deutschlands im Ausland: Die Sportvereine tragen zudem maßgeblich zur Repräsentation Deutschlands im Ausland bei. Rund 21.000 Sportvereine haben regelmäßige internationale Kontakte.

Mädchen und Frauen: Die Sportvereine in Deutschland sind weiblicher geworden. In nahezu allen Altersklassen konnte der weibliche Mitgliederanteil signifikant gesteigert werden. Darüber hinaus weisen Vereine mit einem hohen Anteil weiblicher Vereins- bzw. Vorstandsmitglieder in vielen Bereichen geringere Probleme auf (z.B. finanzielle Probleme).

3. Sportvereine stehen vor neuen Herausforderungen

Die rund 91.000 Sportvereine sind mit einem turbulenten Umfeld (demographischer und Wertewandel, Migration, Finanz- und Wirtschaftskrise etc.) und vielfältigen Herausforderungen konfrontiert:

Rückgang des ehrenamtlichen Engagements: Die Anzahl an ehrenamtlich Engagierten ist rückläufig. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Arbeitsumfang pro ehrenamtlich Engagiertem in den letzten Jahren deutlich angestiegen (um 13 % auf 17,6 Stunden pro Monat).

Ausbau der Ganztagsschule:
Der Ausbau der Ganztagsschule führt in einigen Bundesländern zu schärferen Problemen in der Sportanlagenversorgung. So zeigt sich in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Bayern ein signifikanter Effekt der Ganztagsschuldichte auf die Größe des Problems der zeitlichen Verfügbarkeit der Sportstätten.

Steigende Kosten: Sowohl die durchschnittlichen Ausgaben für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer als auch die durchschnittlichen Kosten für Versicherungen sind innerhalb von zwei Jahren um jeweils 14 % angestiegen. Für die Nutzung kommunaler Sportanlagen mussten die Sportvereine in Deutschland 2006 signifikant häufiger Sportstätten-Nutzungsgebühren bezahlen als noch im Jahr 2004. Nur noch für 29,1 % der Vereine, die kommunale Sportanlagen nutzen, ist deren Nutzung sowohl kostenfrei als auch nicht an
Gegenleistungen wie Schlüsselgewalt, Pflegeverantwortung etc. gebunden.

Mögliche Rückgänge öffentlicher Sportförderung: Den Sportvereinen in Deutschland gelingt es nur bedingt, Rückgänge der öffentlichen Sport- und Vereinsförderung durch eine Steigerung anderer Einnahmearten zu kompensieren. Sportvereine, die von einem Rückbau öffentlicher Zuschüsse betroffen sind, weisen nur noch zu 63,3 % einen mindestens ausgeglichenen Haushaltssaldo auf (zuvor: 70,6 %).

Ausbau der Dopingprävention: Die Sportvereine in Deutschland schöpfen ihr Potenzial zur Dopingprävention gegenwärtig nur in begrenztem Maße aus. 3.300 Sportvereine bundesweit engagieren sich im Rahmen der Dopingprävention (3,6 %). Bei den Sportvereinen, die mindestens einen Kaderathleten in ihren Reihen haben, sind es etwa 10 %, die Maßnahmen der Dopingprävention ergriffen haben.

4. Empfehlungen und Bewertungen

4.1 In seinen Handlungsempfehlungen fordert der Sportentwicklungsbericht insbesondere …

Staat und Politik auf:
Sport im Verein ist keinesfalls eine rein private Angelegenheit, sondern liegt im gesellschaftlichen Interesse. In ordnungspolitischer Hinsicht sind Staat, Kommunen und Politik aufgefordert, den Vereinsport weiter zu fördern. Diese Förderung sollte sich vor allem auf direkte Zuwendungen, Gewährung von Steuervorteilen, Investitionen in die Infrastruktur einschließlich vereinsbezogene Bauförderprogramme, Programm- und Projektförderungen etc. beziehen.

Sportverbände und -vereine auf:
Integrationsbemühungen sind zu verstärken, Kooperationen mit Schulen und anderen Netzwerkpartnern auszubauen, Gesundheitssportangebote weiterzuentwickeln, die Anteile von Frauen unter Mitgliedern und im Vorstand auf intelligente Weise zu erhöhen.

4.2 Kurzbewertung des Sportentwicklungsberichts und seiner Ergebnisse

Die 90.767 Sportvereine mit 27,5 Millionen Mitgliedschaften (2008) unter dem Dach des DOSB stehen für ein vielfältiges gesellschaftspolitisch bedeutsames Leistungsspektrum. Der Sportentwicklungsbericht hat den Mehrwert des „Politikfeldes Sport“ und der Vereine eindrucksvoll aufgearbeitet, analysiert und belegt. Der Sport ist ein „Grundnahrungsmittel“ (Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler) und die Vereine sind eine große gesellschaftliche Kraft in Deutschland.
Der DOSB und seine Mitgliedsorganisationen benötigen aktuelle Analysen, Befunde und Anregungen zur Weiterentwicklung des Sports und der Vereine, insbesondere angesichts eines turbulenten gesellschaftlichen Umfeldes. Der Sportentwicklungsbericht ist ein zeitgemäßes und international beachtetes Steuerungsinstrument, welches Prozesse der Strategie- und Konzeptentwicklungen unterstützt  –  mehr Wissen macht den Sport handlungsfähiger! Der DOSB, seine Mitgliedsorganisationen und deren Untergliederungen nutzen den Sportentwicklungsbericht zunehmend als Grundlage für
Verbandsentwicklungsprozesse sowie für viele Bereiche der Themenentwicklung.

Das Sportsystem unter dem Dach des DOSB ist gut aufgestellt, gleichzeitig bestehen Herausforderungen. Hierzu sind weitere angemessene Reaktionsstrategien zu entwickeln, z.B. sind die Anstrengungen im Bereich Integrationsförderung, Sportinfrastruktur, Vernetzung, Zielgruppenorientierung und Vereins- und Verbandsmanagement zu intensivieren.

(Quelle: http://www.dosb.de/de/service/download-center/sportentwicklungs-bericht/)

Weitere Information finden Sie auf den Seiten des DOSB unter: www.dosb.de/de/sportentwicklung/sportentwicklung/sportentwicklungsberichte/